Hans Jagenteufel

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Es herrscht die allgemeine Auffassung, dass jeder Mensch, der eines Verbrechens schuldig ist, für das er den Verlust seines Kopfes verdient, nach seinem Tod dazu verurteilt wird, mit dem Kopf unter dem Arm umherzuwandern, wenn er zu Lebzeiten der Bestrafung entgeht.

Im Jahr 1644 ging eine Dresdnerin an einem Sonntagmorgen früh in ein nahegelegenes Wäldchen, um Eicheln zu sammeln. Auf einer Lichtung, unweit des Ortes, der „Verlorenes Wasser“ genannt wird, hörte sie einen lauten Ton in ein Jagdhorn blasen. Unmittelbar darauf folgte ein heftiger Knall, als wäre ein großer Baum umgestürzt. Die Frau erschrak sehr und versteckte ihren kleinen Beutel mit den Eicheln im Gras. Kurz darauf ertönte das Horn ein zweites Mal, und als sie sich umsah, erblickte sie einen kopflosen Mann in einem langen grauen Mantel auf einem Schimmel. Er trug Stiefel und Sporen und hatte ein Jagdhorn auf dem Rücken.

Als er ganz leise an ihr vorbeiritt, fasste sie wieder Mut, sammelte weiter Eicheln und kehrte bei Einbruch der Dunkelheit ungestört nach Hause zurück.

Neun Tage später kehrte die Frau an jene Stelle zurück, um erneut Eicheln zu sammeln, und als sie sich an den Forsterberg setzte und einen Apfel schälte, hörte sie hinter sich eine Stimme, die nach ihr rief –

„Hast du jemals einen ganzen Sack Eicheln genommen und niemand hat versucht, dich dafür zu bestrafen?“

„Nein“, sagte sie. „Die Förster sind sehr gütig zu den Armen, und sie haben mir nichts getan – der Herr erbarme sich meiner Sünden!“

Bei diesen Worten drehte sie sich um, und da stand er, der Mann im grauen Mantel, aber diesmal war er ohne sein Pferd und trug seinen Kopf, der mit lockigem braunem Haar bedeckt war, unter dem Arm.

Die Frau wich erschrocken vor ihm zurück, aber der Geist sagte –

„Ihr tut gut daran, Gott um Vergebung eurer Sünden zu bitten; mir war es nie vergönnt, dies zu tun.“

Daraufhin erzählte er ihr, dass er vor etwa einhundertdreißig Jahren gelebt habe und Hans Jagenteufel hieße, wie schon sein Vater vor ihm, und dass sein Vater ihn oft ermahnt habe, nicht zu hart mit den Armen umzugehen, dass er den Rat seines Vaters aber missachtet, sondern seine Zeit mit Trinken und Zechen und allerlei Bosheit verbracht habe, wofür er nun dazu verdammt sei, als böser Geist in der Welt umherzuwandern.