Freude und Leid teilen

Brothers Grimm Juli 6, 2015
Deutsch
Fortgeschrittener
2 min gelesen
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Es war einmal ein Schneider, ein streitsüchtiger Kerl, und seine Frau, die gut, fleißig und fromm war, konnte es ihm nie recht machen. Was immer sie tat, er war nie zufrieden, sondern nörgelte und schimpfte, schlug und trat sie. Als die Behörden schließlich davon erfuhren, ließen sie ihn vorladen und ins Gefängnis stecken, um ihn zu bessern. Er wurde eine Zeitlang mit Brot und Wasser versorgt und dann wieder freigelassen. Er musste jedoch versprechen, seine Frau nicht mehr zu schlagen, sondern in Frieden mit ihr zu leben und Freud und Leid mit ihr zu teilen, wie es sich für Ehepaare gehört. Eine Zeitlang ging alles gut, doch dann verfiel er in seine alten Gewohnheiten und war wieder mürrisch und streitsüchtig. Und weil er sich nicht traute, sie zu schlagen, packte er sie an den Haaren und riss sie ihr aus. Die Frau entkam ihm und sprang in den Hof, doch er rannte ihr mit Maßband und Schere nach, jagte sie und warf beides nach ihr, sowie alles, was ihm sonst in die Quere kam. Traf er sie, lachte er, verfehlte er sie, tobte er und fluchte. Das ging so lange, bis die Nachbarn der Frau zu Hilfe kamen. Der Schneider wurde erneut vor die Richter geladen und an sein Versprechen erinnert. „Meine Herren“, sagte er, „ich habe mein Wort gehalten, ich habe sie nicht geschlagen, sondern Freud und Leid mit ihr geteilt.“ „Wie kann das sein“, sagte der Richter, „wo sie doch ständig so schwere Vorwürfe gegen Sie erhebt?“ „Ich habe sie nicht geschlagen, sondern weil sie so seltsam aussah, wollte ich ihr mit der Hand durchs Haar streichen. Sie aber entkam mir und verließ mich voller Groll. Da eilte ich ihr nach und warf, um sie zur Ordnung zu rufen, alles nach ihr, was mir in die Hände fiel. Ich habe mit ihr Freude und Leid geteilt, denn wenn ich sie traf, war ich voller Freude und sie voller Trauer, und wenn ich sie verfehlte, freute sie sich und ich war betrübt.“ Die Richter waren mit dieser Antwort nicht zufrieden, gaben ihm aber die verdiente Belohnung.