Die Blumeninseln
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Das Paradies wird natürlich von einem liebevollen Gesetz regiert. Alle Orte, an denen es sich gut leben lässt, unterliegen Gesetzen.
Vor langer, langer Zeit lebte ein kleiner Engel, der eine der Regeln des Paradieses brach. Natürlich musste sie bestraft werden. Strafe folgt stets auf Gesetzesverstöße. Sie wurde aus ihrem himmlischen Zuhause verbannt. Nie wieder konnte sie in den Chor der himmlischen Musik einstimmen. Nie wieder konnte sie dem großen König ins Angesicht blicken.
Nun geschah es, dass dieser kleine Engel die Blumen des Paradieses ganz besonders liebte. Zum letzten Mal wandelte sie durch die himmlischen Gärten.
„Oh, meine Lieblinge, ich kann es nicht ertragen, euch zu verlassen!“, schluchzte sie ihren Lieblingsblüten zu. „Es bricht mir das Herz!“
Die Blumen wandten ihr in liebevoller Anteilnahme ihre zarten Blüten zu. Bei ihrer sanften Berührung verströmten sie ihren süßesten Duft. Sie streckten ihre Hände aus, um ihre wehenden Kleider aufzufangen, als sie an ihnen vorbeiging.
„Meine Lieblinge! Ihr wollt, dass ich euch mitnehme!“, rief der kleine Engel.
Sie füllte ihre Arme mit den lieblichen Blüten des Paradieses. Der Engel war noch sehr klein, und die Blumen, die sie pflückte, ergaben einen gewaltigen Armvoll. Sie konnte es nicht ertragen, auch nur eine ihrer Lieblingsblumen zurückzulassen. Langsam und traurig verließ sie die himmlischen Gärten. Langsam und traurig schritt sie durch das himmlische Tor.
Als sie die Tore des Paradieses weit hinter sich gelassen hatte, waren die lieblichen Blüten in ihren Händen alles, was ihr vom Himmel geblieben war. Sie füllten ihre Arme so sehr, dass sie sie nicht alle halten konnte. Einige fielen zu Boden. Hinab, hinab zur Erde schwebten sie. Sie kamen zur Ruhe auf dem lächelnden blauen Wasser des weiten Atlantiks.
„Oh, was soll ich nur tun! Ich habe meine Lieblinge verloren!“, schluchzte der kleine Engel.
Die Paradiesblumen lächelten ihr von dem Ort entgegen, wo sie gefallen waren. Nie hatten sie schöner ausgesehen.
„Meine Liebsten sind wunderschön und glücklich!“, rief sie unter Tränen und lächelte. „Ich habe noch alles, was ich tragen kann! Ich lasse sie dort, wo sie sind!“
Es gibt neun Paradiesblumen, die der Engel einst fallen ließ. Sie blieben seither im blauen Atlantik, wo sie zurückgelassen wurden. Nach vielen Jahren fanden portugiesische Seefahrer sie, und Portugal nahm sie in Besitz und nannte sie die Azoren.
Bis heute trägt eine der Inseln den Namen Flores, was Blumen bedeutet.