Es war einmal

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Es war einmal eine fröhliche, rundliche Frau mit rosigen Wangen, einem warmen Lächeln und kurzen, stämmigen Fingern. Sie trug ein perlmuttweißes Kleid, das mit leuchtend pinkfarbenen Blüten zwischen smaragdgrünen Blättern übersät war. Darüber trug sie eine saubere, frische weiße Schürze mit zarten Spitzenrüschen. Ihr haselnussbraunes Haar war zu einem strengen Knoten im Nacken gebunden, was ihr das Aussehen einer mütterlichen alten Henne verlieh, die oft dafür bekannt war, den Kindern, die auf ihrem Schulweg an ihrem Häuschen vorbeikamen, warme Apfeltaschen zu geben. Ihre Augen waren tiefblau und funkelten vor Lebensfreude. Die meisten Erwachsenen lächeln kleinen Kindern nur aus reiner Höflichkeit zu, weil sie sie für unbedeutende, dicke Dinger halten. Dieses mitfühlende, verständnisvolle Wesen lächelte warm und liebevoll, und nicht nur ihre weichen, schönen Lippen lächelten, sondern auch ihre tiefblauen Augen. Sie hielt Kinder für kleine, süße, pummelige Wesen von großer Bedeutung.

Es war ein lauer Herbstabend. Vogelgezwitscher und Flügelschlagen durchbrachen die Stille, nur das Knirschen eines Blattes unter den Füßen war zu hören. Frau Crabapple hängte saubere Wäsche auf ihre Wäscheleine und sang fröhlich vor sich hin, während sie jedes einzelne Kleidungsstück festklemmte.

„Oh! Ich bin so glücklich wie eine Sonnenblume!“
Im Wind wiegend,
Oh! So glücklich wie die Blätter, die von den Bäumen fallen.“

Plötzlich rief sie: „Oh je!“, und hob eine staubbedeckte Stoffpuppe hoch, die, wie es schien, von einem Ast in ihren Wäschekorb gefallen war. Wie aus heiterem Himmel schien ihre Seele aus ihrem Körper in die Stoffpuppe gesogen zu werden. Ihr Körper lag schlaff und leblos am Boden. Ich schaudere bei dem Gedanken, was die Nachbarn wohl gesehen hätten, als sie sie so fanden.

Es war stockdunkel, und sie stürzte einen langen, tiefen, senkrechten Tunnel hinab. Die Reibung war so stark, dass sich ihre Haare statisch aufluden und nach oben wehten. Endlich landete sie auf festem Boden; doch sie war unverletzt. „Wie kann das sein?“, dachte Mrs. Crabapple. Sie fühlte sich ganz schlaff und beweglich, was für sie sehr ungewöhnlich war, denn Menschen mit viel Fett (ich finde es unschicklich, dieses unfeine Wort zu benutzen, das so viel wie „(von einer Person oder einem Tier) mit viel überschüssigem Fett“ bedeutet) sind normalerweise nicht so flexibel, und sie litt seit drei Jahren an Rheuma. Sie hob die Hände ans Gesicht und keuchte. Es war kein Schmerzenslaut, sondern ein Schrei der Verwirrung und des Schocks. Sie war zu einer Stoffpuppe geworden!

Plötzlich hörte sie eine fröhliche Stimme, die so schnell wie möglich „Old Mr Sailor Sea“ sang.

„Der alte Herr Seemann fuhr hinaus aufs Meer, so Meer,
Der alte Herr Seemann war fröhlich und zufrieden.
Der alte Herr Seemann wurde Pirat!
Der alte Herr Seemann dachte, sein Leben sei großartig.
Der alte Herr Seemann Sea erlitt eines Tages sein Verhängnis.
Die Kameraden des alten Herrn Sialor Sea sind weggelaufen!

„Wer ist da?“, fragte Mrs. Crabapple scharf. Es war ein Wunder, dass sich dort überhaupt jemand aufhielt, der nicht so klein wie eine Stoffpuppe war. Ein kleiner Junge (oder eher eine kleine Stoffpuppe) kam um die Ecke des Durchgangs. Er trug ein verwaschenes blau-weiß kariertes Hemd und eine schmutzige, graue Latzhose. Als er Mrs. Crabapple sah, berührte er die pechschwarze Mütze, die auf dem Knäuel brauner Wolle auf seinem Kopf lag, und sagte: „Guten Tag, gnädige Frau.“

Plötzlich begann die Erde zu beben. Frau Krabbenapfel schrie um Hilfe, und der Stoffpuppenjunge murmelte: „Das ist ja komisch!“ Lustigerweise kümmerte es niemanden auf der Welt, dass zwei Stoffpuppen bei einem Erdbeben herumgeschleudert wurden.

Meilenweit entfernt, von diesem magischen Ort aus Stoffpuppen und zerfetzten Gegenständen, erwachte die echte Mrs. Crabapple in einem Krankenhaus. Sie lag auf einem Bett unter einem Berg weißer Laken, die nach Lavendel dufteten. Sie spürte, wie ihre Seele sich von dieser Welt löste. Es war kein starkes, ziehendes Gefühl wie zuvor, sondern eine sanfte Empfindung. Sie glitt davon. Diese Vision war nur ein flüchtiger Blick auf das, wo sie bald sein würde. Wo sie bald dem Seemann begegnen würde, den sie vor 43 Jahren geheiratet hatte und der vor acht Jahren gestorben war. „Wenn das Sterben ist, ist es gar nicht so schlimm“, sinnierte Mrs. Crabapple. „Aber diese Stoffpuppe kam mir doch sehr bekannt vor.“ Sie lächelte. Es war ihr langsames, aufblühendes, warmes Lächeln. Endlich würde sie unter ihren Lieben sein.

The End